Schlagwort-Archive: Geschichte

Albtraum #1: Das Nichts

Ich weiß nicht genau, woher sie kommen. Oder wie lange ich sie schon genau habe. Fest steht nur, dass ich verschiedene Albträume seit einiger Zeit habe und ich kaum noch schlafe – denn es fühlt sich an, als wäre ich in einem fremden Leben gefangen.
Oder vielleicht ist es nicht fremd, denn alles scheint vertraut, vielleicht ist es nur vergangen; real passiert, in einem anderen Leben?
In einem meiner vorherigen Leben? Steile These, ich weiß.

So intensiv, wie diese Träume mich plagen, ist es mir fast egal, woher sie eigentlich kommen – ich will nur, dass sie endlich verschwinden.
Ich werde sie aufschreiben, um sie mir noch einmal vor Augen zu führen und sie (hoffentlich) schlussendlich verarbeiten zu können. Hier könnt ihr von ihnen lesen.
Das Schreiben ist mein einziges Ventil.

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#SPbuch-Kalender Tag 23 – Wiebke Tillenburg

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Dieser Beitrag entstand innerhalb der Aktion „#SPbuch-Kalender, Adventszeit mal anders“ und basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken, Interesse an den Autor*innen und selbst kreierten Fragen & Aktionen. Da innerhalb dieser Beitragsreihe Autor*innen (aus dem Selfpublish-Bereich) sowie Verkaufs- und Medienportale vorgestellt und verlinkt werden, sind wir leider dazu verpflichtet auf das Eingangswort hinzuweisen. Abmahnungen können wir uns als Freizeit-Bloggerinnen nicht leisten.


 

Ist es nicht Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht?
Meine Helden, wir schreiben nun schon den 23. Dezember, den Tag vor Weihnachten. Heute öffnen wir das vorletzte Türchen und damit ist unser kleiner Adventskalender schon wieder fast beendet.
Ich hoffe, wir konnten euch schon ein paar tolle Selfpublisher näherbringen – und heute geht es noch einmal mit voller Kraft und wundervoll weiter!

Das 23. Türchen öffnen wir zusammen mit Wiebke Tillenburg, die dieses Jahr gleich zwei Bücher selber veröffentlicht hat: „Eselmädchen“ und „Drachenangst und Menschenmut“.
Gemeinsam wollen wir euch „Drachenangst und Menschenmut“ einmal vorstellen; außerdem bekommt ihr sogar noch eine exklusive Geschichte dazu, in der es zwischen den beiden Protagonisten Max und Hugo ein weihnachtliches Wiedersehen gibt.

„Drachen sind groß und stark und fürchten sich vor gar nichts. Das denkt Max, der sich wirklich gut mit Drachen auskennt. Doch dann begegnet er Hugo. Hugo ist ein echter Drache, allerdings ist er weder groß noch gefährlich und er hat Angst vor Spinnen! Gemeinsam stellen sich Max und Hugo ihren Ängsten und merken, dass man eigentlich gar nicht immer mutig sein muss.“

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Die Familie in Dunkelheit | Das Halloween-Special

Hier ist es nun endlich – mein kleines, aber hoffentlich feines (und gruseliges) Halloween-Special. Ihr habt euch bestimmt schon gewundert, was die ganzen passwortgeschützten Beiträge sollen. Tja, jetzt findet ihr es heraus-
Und vielleicht findet ihr ja auch aus dieser kleinen Horrorgeschichte heraus. Hoffentlich lebendig. Viel Spaß!

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Sein oder nicht sein

Es ist manchmal schon nicht, leicht jemand zu sein. Aber jemand zu werden, das ist das wirklich Schwierige.

Bei uns lief es immer so: Aufstehen, Schule, Sport, Hausaufgaben. Zwischendurch wird das gemacht, was Mama sagt. Oder gespielt. Manchmal auch letzteres, obwohl man ersteres machen sollte, wenn man besonders mutig war.
Aber was Mama sagt, ist eigentlich Gesetz. Danach kommen die Lehrer, denn die haben natürlich auch immer viel zu sagen. Eigentlich bestimmen diese auch über den Großteil deiner Zeit. Wehren kann man sich nicht, denn sie wollen ja nur das Beste für dich (und genau das Gleiche für hunderte von Schülern zur selben Zeit). Kein Wunder, dass man sich da nicht auf einzelne Kinder konzentrieren kann; so werden wird man nur pauschalisiert und in Reih und Glied aufgestellt. Massenabfertigung.

Von allen Seiten aus wird man immer bevormundet; man bekommt vorgesetzt, was die anderen Generationen getan haben und wie schlecht die eigene doch ist. Überall Sendungen, Werbung; das Neueste hier und das Beste da. Heteros hier und immer auch dort. Und wenn du dann aus der Norm fällst, hast du den Salat.

Was denn dann? Normal ist das, was einem ständig vorgebetet wird, was in der Gesellschaft akzeptiert wird, was halt einfach so ist. Und dann kommst du, gerade noch Kind und interessierst dich für die falschen Dinge: Chance verspielt.

Dann kommst du und dir fällt das eigene Geschlecht viel mehr auf als das andere. Aber das ist doch anders? Du bist wohl anders? Du bist wohl falsch?

Leistungsdruck, Selbstfindung. Niemand weiß, was er will und dann ist man plötzlich 18 – und auf sich selbst gestellt. „Du bist immerhin alt genug“, heißt es dann, obwohl du nie gelernt hast, was alt-genug-sein heißt.

Und du weißt noch nicht wer du bist, aber du musst sein. Aber wie bist du, wenn du dich nicht definiert hast? Du läufst mit der Masse, schlechte Angewohnheiten, Gruppenzwang. Andere setzen die Norm.

Das ist das Problem in der Gesellschaft. Wenn wir uns nicht selbst finden, legen andere fest, was normal ist und plötzlich bist du nicht mehr normal. Wie kommst du mit dir selber klar, wenn du anders bist? Das geht nicht einfach so, sondern ist ein Prozess; kräftezehrend musst du dich selber akzeptieren und wenn du endlich an dem Punkt bist, wo du sich verstehst, dich damit abfindest und dich selbst kennst – dich selbst akzeptierst – kommt ein Anderer und du wirst wieder mit dir selber konfrontiert – weil die, die sich selbst nicht gefunden haben, sich immer mehr mit dir beschäftigen werden, als mit sich selbst.

Am besten machen sie dabei deine ganze Arbeit gleich wieder mit kaputt.

 

Jugendliche können grausam sein, wenn sie nicht wissen, was sie sonst sein sollen. Und jeder erfährt das mal an seiner eigenen Haut.

Jetzt könnt ihr euch fragen: Habt ihr es geschafft, euch selbst zu akzeptieren? Denn alle weichen doch irgendwie von der Norm ab, vielleicht habt ihr das nur noch nicht entdeckt.

 

Ich kann da nur eins sagen: Viel Spaß im Leben.
Lernt und lebt eure Widrigkeiten!

Ihr sollt werden und sein! Nicht nicht-sein! Das steht außer Frage.

 

 

Landnahme – Christoph Hein

„Sie sprachen eben anders und lebten anders, sie hatten andere Dinge erlebt. Irgendwie kamen sie aus einem Deutschland, das nicht unser Deutschland war.“

Fünfzig Jahre deutscher Geschichte am Beispiel einer kleinen Provinz – der Roman „Landnahme“ von Christoph Hein erzählt vom Leben des Bernhard Haber, der als zehnjähriger Vertriebener in Guldenberg strandet. Das Buch ist 2004 im Suhrkamp Verlag erschienen.

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„Als Kind kommt Bernhard Haber 1950 aus dem zerstörten Breslau in eine sächsische Kleinstadt; Jahrzehnte später ist er einer der mächtigsten Männer des Ortes. Christoph Hein erzählt vom Lebenslauf eines Außenseiters in der Provinz, der mit der großen Geschichte scheinbar nichts zu tun hat und sie doch exemplarisch spiegelt.“

Als Flüchtling hat man es in den 50ern nicht leicht; die Einwohner verurteilen einen und akzeptiert wird man nicht. Haber lernt das sehr früh.
So machen es die Bürger ihm und seiner Familie so schwer wie möglich, sein Hund wird getötet und später wird die Tischlerei seines Vaters abgebrannt. Doch Haber ist eine Kämpfernatur, er weiß, wie er sich verteidigen kann. Er findet seinen eigenen Weg.
Nach der Schule fängt er eine Ausbildung zum Tischler bei seinem Vater an, dann verdient er Geld als Schmuggler. Erfolgreich, denn er wird zu einem der einflussreichsten Männer der Stadt und Mitglied im „Kegelclub“.

In die Gedanken Habers kann man sich nicht direkt einfühlen – in der multiperspektivischen Erzählweise kommt er selbst nie zu Wort. Dafür übernehmen andere das Erzählen, allerdings erst Jahre später, sie erinnern sich nur an Bernhard Haber, jeder auf seine eigene Weise – aber wer weiß schon, wie wahrheitsgetreu die einzelnen Erzählungen im Endeffekt wirklich sind.
So lange die Figuren also nur im Nachhinein erzählen, können wir uns nie sicher sein, wie es wirklich passiert ist – was Haber zu einem noch größeren Mysterium macht.

Zuerst erzählt uns Thomas Nicolas, ein Schulkamerad Habers, etwas von Haber; er bewunderte ihn für sein Standvermögen.
Danach kommt Marion Demutz, die erste Freundin Habers, die ihn nie wirklich geliebt hat, sie erzählt aus der Zeit nach der Schule.
Peter Koller, der als Schmuggler im Geschäft mit Bernhard Haber mehr Geld wollte, als gut für ihn war.
Katharina Hollenbach, Habers Schwägerin, die alleine mit ihren Reizen durchs Leben kommt und schlussendlich Sigurd Kitzerow, Freund und Partner, der Haber zu seiner mächtigen Position verhilft.

Diese kleingeistigen Figuren lassen die großen Geschehnisse in den Jahren von dem Ende des 2. Weltkrieges bis hin zur Wiedervereinigung Deutschlands viel realer wirken; Beispiele im Alltag anstatt die sonst so graue Theorie machen es interessanter als den normalen, reinen Geschichtsunterricht. Allerdings ist der Schreibstil zwar einfach zu verstehen und nicht zu verwoben, aber in Hinsicht auf den Inhalt einfach zu langatmig.

Christoph Hein, geboren am 8. April 1944 in Niederschlesien, ist bekannt für seine Werke wie „Der fremde Freund“ oder „Die wahre Geschichte des Ah Q“. Aufgewachsen ist er in Bad Düben in der Nähe von Leipzig, in etwa dort, wo auch das fiktive Guldenberg liegen soll. Das Motiv eines imperfekten Lebens schafft es in so ziemlich alle seiner Bücher und trifft damit immer auf einen Nerv der jeweiligen Generation.

Hein schafft als selbsternannter Chroniker genau das, was er soll: Pragmatisch schildern. Der Rest liegt an uns.
Er beschreibt realistisch und nachvollziehbar, schließlich hat er die Geschichte selbst erlebt und muss wissen, wie es gewesen ist. Trotzdem lässt er sich nicht von persönlichen Gefühlen beeinflussen, noch nie habe ich von so extrem Politik uninteressierten Figuren gelesen, erst recht nicht, wenn es um einen Wendepunkt in der Geschichte geht.

Allen in allem muss ich sagen, dass die Geschichte einen gewissen Reiz hat, die Charaktere aber waren mir allesamt unsympathisch.

Die jüngere Generation, zu der auch ich gehöre, kann sich in diese Zeit dank dem Roman einfühlen und sich gleichzeitig nicht fremder fühlen. Der Konflikt, um Flüchtlinge und dem Verlieren beziehungsweise Finden der Heimat, ist noch immer aktuell. Vielleicht gerade deswegen auch trotzdem lesenswert.