Daredevil – Miller & Romita Jr.

Vielleicht kennt ihr ja die Serie „Daredevil“ auf Netflix, oder vielleicht seid ihr sogar ein Comic-Fan – so oder so, den meisten ist Daredevil mittlerweile ein Begriff.
Auch ich habe Daredevil erst durch Netflix kennengelernt. Die Serie besteht aus drei Staffeln und wurde mittlerweile abgesetzt (hier bitte ein lautstarkes Schluchzen einsetzen).
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Ich liebe Daredevil über alles, die Serie war so schön, wenn auch brutal, und hat mich zum Nachdenken über Moral eingeladen. Und mir wieder einmal mit Schaudern bewusst gemacht, dass auch die Bösen denken, sie würden das Richtige tun.

 

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich zu meinem Geburtstag im Dezember das Graphic Novel „Daredevil – The Man Without Fear“ von Frank Miller und John Romita Jr. bekommen habe. Darin wird die Geschichte, wie Matt Murdock zu Daredevil wurde noch einmal genauer erzählt – mit mehr Liebe zum Detail, als man es in den bisherigen Comics gewohnt ist. Erst auf der letzten Doppelseite ist Matt mit sich, als Daredevil, im Reinen. img_1232

 

Miller und Romita Jr. wollten dieses Novel zu der „Daredevil-Bibel“ machen – und haben das meiner Meinung nach durchaus geschafft.

 

 

 


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(Da das Graphic Novel auf Englisch geschrieben ist, geht die Übersetzung auf meine Kosten. Die Fehler gehören demnach auch mir. hust.)

„Ein Feuer brennt tief in Matt Murdock.

Er wurde von seinem Single-Vater großgezogen, einem schon älteren preisgekrönten Kämpfer mit einer letzten Chance, es wieder gut zu machen – eine Chance, die ihm sein Leben kostet. Verspottet und gequält von Kindern während des Aufwachsens, ist Matts Leben unwiderruflich verändert worden nachdem er von radioaktivem Material geblendet wurde, während er einem alten Mann das Leben gerettet hat. Der Lohn? Einen unbrechbaren Willen und ein scharfer Verstand, die ihm dabei helfen, die Super-Sinne zu fokussieren, die er bei dem Unfall erhielt. Seine Geschichte erzählt von Liebe, Schmerz, Enttäuschung und Stärke. […]“


 

Wer bisher nur die Netflixserie kennt, wird sich vielleicht ein bisschen wundern, denn im Comic spielt es sich ein bisschen anders ab, als es dort dargestellt wurde.
Matt Murdock ist schon als Kind ein kleiner Adrenalin-Junkie – so stellt er schon früh die Stadt auf den Kopf. Er trägt bereits da eine Maske, damit ihn niemand erkennt, denn sein Vater Jack Murdock wäre wohl sehr sauer, wenn er mitbekommen würde, was Matt so anstellt. Gleich auf den ersten Seiten stiehlt er zum Beispiel den Schlagstock von einem Polizisten.
Jack Murdock ist ein Boxer, der die besten Tage bereits hinter sich hat. Die meisten Nächte für ihn sind hart und gefüllt mit Alkohol und Sehnsucht nach der Mutter von Matt. Er wird dazu gezwungen, für die Mafia Geld einzutreiben, wenn Matt nichts passieren soll.

Matt soll Jack versprechen, dass er nicht so sein wird wie wer – er soll nicht kämpfen, er soll etwas besonderes sein und er soll lernen. Matt ist davon nicht begeistert, denn in der Schule wird er gemobbt – wird Daredevil genannt, weil sein Vater, „Battlin‘ Murdock“, im Teufelskostüm boxt. Als Matt sein Versprechen bricht, schlägt Jack seinen Sohn. Als Matt wegrennt und darüber nachdenkt, dass sein Vater falsch lag, beschließt er, dass Regeln das Einzige sind, die Leute davon abhalten, Schlechtes zu tun. Und so entscheidet Matt, Anwalt zu werden.

Nun verbringt Matt seine Zeit damit, zu lernen, und seine Wut auf seine Mobber in der berühmten Fogwells-Gym auszulassen.
Mit sechzehn Jahren rettet Matt einen alten, blinden Mann vor einem Autounfall und schubst ihn aus dem Weg, aber das kostet ihn viel; denn er bekommt etwas von der Ladung des Autos in die Augen. Es ist etwas Radioaktives, das ihn komplett verändert – er verliert sein Augenlicht, aber dafür werden seine anderen Sinne um ein vielfaches verstärkt. Alles ist laut und tausende Gerüche quälen ihn, normale Bettlaken fühlen sich wie Sandpapier an, und natürlich muss er nun auch ohne seine Sehkraft zurechtkommen.

Verständlicherweise ist Matt unendlich frustriert; trotz allem versucht er noch, seine Normalität aufrecht zu erhalten. Er geht weiter in die Fogwells-Gym, aber er kann nicht mehr turnen, wie er es gewohnt ist. Matt fühlt sich nutzlos.
Und ab da kommt Stick ins Spiel. Stick ist schon von Geburt an blind und hat sich selbst beigebracht, ein wahrer Krieger zu sein. Er trainiert Matt, bringt ihm bei, seine Umgebung durch seine anderen Sinne wahrzunehmen, zu fühlen, wo die Wände sind. Endlich fühlt sich Matt wieder besser und glücklicher.

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Jack Murdock wird dafür bezahlt, einen hohen Kampf zu verlieren. Aber als er seinen Sohn Matt in den Reihen sieht, fasst er einen Entschluss: er hat ihm immer erzählt, niemals aufzugeben, und jetzt wird es Zeit, endlich auch ein Vorbild zu sein. Batllin‘ Murdock gewinnt den Kampf, aber er besiegelt damit sein Leben.

Matt muss ihn in der Leichenhalle identifizieren und er tastet das Gesicht seines Vaters ab und fühlt seine Wunden.
Hier beginnt Matts Geschichte nun – er rächt sich an den Mördern seines Vaters, und macht dabei einen Fehler, von dem er sich nicht so schnell erholt.

Wir begleiten Matt weiter im Laufe seines Lebens. Wir lernen zusammen mit Matt Franklin „Foggy“ Nelson kennen und erleben Matts Liebe zu Elektra mit, und schließlich auch Matts Werdegang zu dem Helden, der den Namen Daredevil mit Stolz trägt. Selbst der einzig wahre Kingpin, Wilson Fisk, spielt schon eine Rolle, wenn auch Matt ihm hier noch nicht begegnet.

 

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An dem Graphic Novel hat einfach alles gepasst: Ich mochte den Zeichenstil, der recht rustikal und dunkel wirkt und dabei der Geschichte den gewissen gefährlichen Flair garantiert. Die Geschichte, die emotional erzählt wird, und dich in ihren Bann zieht.
Ich kann jedem Fan von Daredevil dieses Buch mit einem guten Gewissen empfehlen. Auch wenn ihr Daredevil noch nicht kennt… Ihr werdet nicht enttäuscht werden.

Das war aber noch nicht alles, was das Buch zu bieten hat!
Nach der eigentlichen Geschichte geht es noch ein bisschen weiter; das originale erste Skript kann man hier noch nachlesen, Szenen, die erst im nachhinein hinzugefügt wurden. Das Skript zu lesen war wie die Geschichte noch einmal in einer anderen Perspektive zu erleben – Symboliken, die einem vorher nicht aufgefallen sind, wurden hier noch einmal richtig bewusst.
Zusätzlich wurden auch Skizzen und nicht genutzte Cover gezeigt, sowie Gespräche zwischen Miller und Romita Jr. und Interviews.

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Ich hatte wirklich ein unglaubliches Nostalgiegefühl beim Lesen. Daredevil ist einer meiner liebsten Helden – er ist nicht nur blind, sondern nutzt diese Einschränkung auch noch für sich. Repräsentation in den Medien ist immer etwas Wichtiges, und Daredevil hat das von Anfang an einfach und elegant gemacht. Ich würde mir wünschen, dass es immer so wäre.

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig an meiner Begeisterung für dieses Graphic Novel teilhaben lassen!
(PS: Wer sich mit mir über Daredevil unterhalten will, ist immer herzlich willkommen.)

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2 Kommentare zu „Daredevil – Miller & Romita Jr.“

  1. Das klingt unglaublich cool! Ich habe definitiv einen neuen Eintrag auf meiner Wunschliste!^^
    Ich hätte gar nicht gedacht, dass sich das Daredevil-Feeling auch auf einen Graohic Novel mit so viel Handlung niederschlagen kann, aber werde mich dann wohl eines Besseren belehren lassen!

    Gefällt 1 Person

    1. Im Einzelnen rauscht es so an einem vorbei – ich habe schon fast die Story durchgehabt, bis mir die Zeit wieder eingefalllen ist. So viel passiert von Seite zu Seite, und das ohne das gefühl einer reinen Nacherzählung zu erzeugen… Ich fand es wunderbar. Ich hoffe, dir gefällt es dann auch so!

      Mit lieben Grüßen,
      Jessy

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