Wild Embers – Nikita Gill

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Heute geht es um Poesie, die mir das Herz erwärmt hat.

Wild Embers: Poems of Rebellion, Fire and Beauty“ (also übersetzt wilde, rasende, stürmische oder auch unbändige Glut: Gedichte von Rebellion, Feuer und Schönheit) habe ich bei meinem Besuch der USA entdeckt. Vor allem hat mich das wunderschöne und trotzdem schlichte Cover angesprochen. Eventuell hat mich auch der Aspekt der Rebellion geködert, oder das Feuer – das Versprechen von Destruktion und Schönheit gleichzeitig empfand ich als sehr interessant.
Von der Social-Media Berühmtheit Nikita Gill hatte ich bis dahin noch nichts gehört. Das könnte ganz einfach daran liegen, dass sie, obwohl sie bereits mehrere Werke veröffentlicht hat, noch nichts davon auf Deutsch übersetzt worden ist. (Wer weiß, warum sie mir auf Instagram noch nie über den Weg gelaufen ist. Rupi Kaur kenne ich zum Beispiel auch erst seit „Milk and Honey“.)

Ich bin sowieso der Meinung, dass man Poesie immer in der originalen Sprache lesen sollte – deswegen stört mich die fehlende deutsche Übersetzung auch kein Stück. Bereitet euch in dieser Rezension deswegen vermehrt auf Englische Zitate vor, die ich meines Könnens nach Übersetzen werde. Das bedeutet: Keine Garantie auf hundertprozentige Korrektheit!

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You cannot burn away
What has always been aflame

Wild Embers explores the fire that lies within every soul, weaving words around ideas of feeling at home in your own skin, allowing yourself to heal and learning to embrace your uniqueness with love from the universe.

Featuring rewritten fairytale heroines, goddess wisdom and poetry that burns with revolution, this collection is an explosion of femininity, empowerment and personal growth.“

„Du kannst nichts verbrennen, 
was schon immer in Flammen war.

Wild Embers erforscht das Feuer, das jeder Seele zugrunde liegt, webt Worte um die Idee sich in seiner eigenen Haut zuhause zu fühlen, erlaubt dir, dich zu heilen und zu lernen, deine Einzigartigkeit mit der Liebe des Universums anzunehmen.

Darin kommen neu geschriebene Märchen-Heldinnen, Weisheiten der Göttinnen und Poesie, die mit Revolution brennt vor, diese Sammlung ist eine Explosion von Weiblichkeit, Empowerment (übersetzt: Ermächtigung) und persönlichem Wachsen.“


 

Schon alleine die Widmung hat mich neugierig auf das gemacht, was kommen wird, sie war inspirierend und berührend:

 

Die Gedichte von Gill verschlingt man hintereinander weg, sie handeln vom Heilen und vom Wachsen, davon, seinen Wert zu erkennen, auch wenn man dafür mit sich selber kämpfen muss.
Gill hat selber einige Traumas erlebt und verarbeitet sie in ihren Texten, sie inspiriert und hilft dabei, dass sich niemand alleine mit seinen Problemen fühlt; sie spricht Themen an, die wichtig sind und die sonst zu kurz kommen und sie lässt alle mit sich fühlen, auch wenn sie persönlich die Konsequenzen von ihren Erlebnissen eigentlich nicht nachempfinden können.

In den meisten ihrer Gedichte schreibt sie von dir, spricht den Leser also direkt an, oder erzeugt ein Gefühl der Gemeinsamkeit, indem sie von einem wir redet – du bist wie ich und ich kenne dich, ich verstehe dich, du bist nicht allein. Auch das trägt dazu bei, dass man sich selber persönlich betroffen fühlt.

Vor allem geht es darum, ein Mädchen, eine Frau, zu sein – und was das mit sich bringt. Niemals sollst du dich schämen, die Gesellschaft soll dir nicht vorgeben, wie du auszusehen hast, wie du dich zu verhalten hast, wie du lebst; niemand soll über dich bestimmen, nur du trägst die Magie, das Feuer in dir, und du sollst sie nutzen.

 

„We are the blood
of the witches
you thought were dead.

We carry witchcraft in our bones
whilst the magic still sings
inside our heads.“

(Auszug aus „Witch“, S. 25)

„Wir sind das Blut
der Hexen
von denen du dachtest, sie seien tot.

Wir tragen die Hexenkunst in unseren Knochen
während die Magie noch immer
in unseren Köpfen singt.“

 

Du sollst dich nicht für Personen hingeben, die dich nicht schätzen können; sollst nicht versuchen, gebrochene Personen wieder zu vervollständigen und zu heilen.

 

„Your body is not a first aid kit
for broken people
and damaged souls
and hearts that are too tired
to fix themselves.“

(Auszug aus „Your Heart is not a Hospital“, S. 13)

„Dein Körper ist kein Erste Hilfe Kasten
für gebrochene Leute
und beschädigte Seelen
und Herzen die zu müde sind
um sich selber zu reparieren.“

 

Sie kritisiert offen das Patriarchat, die Sachen, die Jungen beigebracht werden, und wie Mädchen in unserer Gesellschaft reguliert werden:

„I want to say, ‚It is different for girls, because we have made it so. We have created a world where our daughters are held responsible for not just their own actions, but for the actions of men. We make our daughters suffer for how our sons treat them.[…]'“

(Auszug aus „Boys will be Boys“, S. 82)

„Ich will sagen, ‚Es ist anders für Mädchen, weil wir es so gemacht haben. Wir haben eine Welt geschaffen, in der unsere Töchter nicht nur für ihre eigenen Handlungen verantwortlich gemacht werden, sondern auch für die von Männern. Wir lassen unsere Töchter dafür leiden, wie unsere Söhne sie behandeln.[…]'“

 

Man merkt den Gedichten an, dass Gill ihre Weisheiten auf die harte Weise lernen musste, und das ist wohl auch das, was den Großteil des Buches ausmacht – man kann sich mit ihm identifizieren, man sieht sich selber in den Texten, und ihre unentschuldigte Härte lässt einem selbst neuen Mut fassen.

Aber nicht nur daraus besteht „Wild Embers“! Gill hat noch viel mehr gemacht: in kurzen Porträts stellt sie lyrisch die Frauen und Göttinnen der griechischen Mythologie vor – Athena und Artemis, zum Beispiel.
Außerdem schreibt sie alte Märchen um, zum Beispiel Arielle, Schneewittchen oder Alice im Wunderland. Sie macht die Geschichten zu modernen Märchen, die man seinen Töchtern erzählen kann, die in das heutige und meiner Meinung nach bessere Weltbild passen; die Mädchen beibringen, sich nichts gefallen zu lassen.

„They won’t tell you fairytales
of how girls can be dangerous and still win.
They will only tell you stories
where girls are sweet and kind
and reject all sin.
I guess to them it’s a terrifying thought,
a Red Riding Hood
who knew exactly
what she was doing
when she invited the wild in.“

(„Girls of the Wild“, S. 72)

„Sie erzählen dir keine Märchen
von Mädchen die gefährlich sein können und trotzdem gewinnen.
Sie werden dir nur Geschichten erzählen
wo Mädchen süß und nett sind
und alle Sünde von sich weisen.
Ich schätze für sie ist es ein Furchterregender Gedanke,
ein Rotkäppchen
das genau wusste
was sie tat
als sie das Wilde einlud, hereinzukommen.“

 

Ich liebe Gills Gedichte, um es einmal kurz zu fassen. Ich konnte nicht mehr aufhören, und die Texte sind in mir noch nachgehallt, Tage nachdem ich das Buch beendet habe. Wenn ihr Englisch versteht, lest das Buch. Es ist jede seiner Zeilen wert.

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3 Kommentare zu „Wild Embers – Nikita Gill“

  1. Das klingt super schön! Politische Poesie ist sowieso die beste, und dann auch noch so toll komponiert!

    Ich bin auf Social Media nicht darüber gestolpert und noch glücklicher, dass ich jetzt dank Dir eine grobe Vorstellung habe und das Buch im Laden wiedererkennen werde!
    Danke für die Rezension!

    Viele Grüße
    Anna

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Anna,

      danke für den lieben Kommentar :) Ich habe ihn leider jetzt erst gesehen.
      Freut mich, dass dir die Poesie auch so sehr zusagt wie mir!

      Liebe Grüße
      Jessy

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