#SPbuch-Kalender Tag 23 – Wiebke Tillenburg

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Dieser Beitrag entstand innerhalb der Aktion „#SPbuch-Kalender, Adventszeit mal anders“ und basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken, Interesse an den Autor*innen und selbst kreierten Fragen & Aktionen. Da innerhalb dieser Beitragsreihe Autor*innen (aus dem Selfpublish-Bereich) sowie Verkaufs- und Medienportale vorgestellt und verlinkt werden, sind wir leider dazu verpflichtet auf das Eingangswort hinzuweisen. Abmahnungen können wir uns als Freizeit-Bloggerinnen nicht leisten.


 

Ist es nicht Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht?
Meine Helden, wir schreiben nun schon den 23. Dezember, den Tag vor Weihnachten. Heute öffnen wir das vorletzte Türchen und damit ist unser kleiner Adventskalender schon wieder fast beendet.
Ich hoffe, wir konnten euch schon ein paar tolle Selfpublisher näherbringen – und heute geht es noch einmal mit voller Kraft und wundervoll weiter!

Das 23. Türchen öffnen wir zusammen mit Wiebke Tillenburg, die dieses Jahr gleich zwei Bücher selber veröffentlicht hat: „Eselmädchen“ und „Drachenangst und Menschenmut“.
Gemeinsam wollen wir euch „Drachenangst und Menschenmut“ einmal vorstellen; außerdem bekommt ihr sogar noch eine exklusive Geschichte dazu, in der es zwischen den beiden Protagonisten Max und Hugo ein weihnachtliches Wiedersehen gibt.

„Drachen sind groß und stark und fürchten sich vor gar nichts. Das denkt Max, der sich wirklich gut mit Drachen auskennt. Doch dann begegnet er Hugo. Hugo ist ein echter Drache, allerdings ist er weder groß noch gefährlich und er hat Angst vor Spinnen! Gemeinsam stellen sich Max und Hugo ihren Ängsten und merken, dass man eigentlich gar nicht immer mutig sein muss.“

Max hat einen schlechten Tag und trifft auf den kleinen Drachen Hugo. Es stellt sich heraus, dass Drachen so gar nicht Max Erwartung entsprechen! Hugo berichtet davon, wie er von den anderen Drachen geärgert wird und Max bietet ihm eine Lösung. Die beiden freunden sich an, und Max bekommt ein kleines Geschenk gegen seine Angst vor dem Alleinsein.
Am Ende müssen sich die beiden allerdings wieder trennen, und hier könnt ihr nun lesen, wie es für die beiden weitergeht!

 

S/Finnlose Weihnachten

 

Max stand am Fenster und sah in den Himmel hinauf. Seine Gedanken waren ebenso trüb wie der winterliche Abend.
„Vor Weihnachten gibt es eh keinen Schnee mehr“, grummelte er vor sich hin. Aber das allein machte ihn nicht traurig. Sein bester Freund Finn würde in eine andere Stadt ziehen, noch vor den Feiertagen. Es würde das allerblödeste Weihnachten aller Zeiten, da war sich Max sicher.
Normalerweise machten er und seine Eltern mit Finn und dessen Familie am Tag vor Heiligabend einen Ausflug. Sie gingen an den kleinen Teich im Wald, der normalerweise um diese Jahreszeit zugefroren war. Finns Papa Ralf, der der Größte und Schwerste von ihnen war, testete dann, ob das Eis fest genug war, um darauf zu schlittern und dann durften sie alle auf dem gefrorenen Wasser spielen. Mit Theresa und Nina, Finns älteren Schwestern, schlitterten sie um die Wette. Es gab Glühwein für die Großen und Kakao für die Kinder, den sie in Thermoskannen mitbrachten. Außerdem backte Papa seinen berühmten Gewürzkuchen.
Aber dieses Jahr würde es das alles nicht geben. Finn packte seine Spielsachen in muffige Umzugskartons und nächste Woche feierte er schon Abschied im Kindergarten. Max schnaubte und wandte sich vom Fenster ab. Er betrachtete das Foto an der Pinnwand, auf dem er und Finn als Ritter verkleidet waren. Schon spürte er die tränen und sah schnell weg. Der Abend war doof und ihm war langweilig, da konnte er auch gleich ins Bett gehen. Am oberen Treppenabsatz machte er halt.
„Papa! Ich gehe schon mal Zähneputzen“, rief er nach unten.
Papa erschien unten an der Treppe und sah überrascht zu ihm hinauf. „Aber es ist doch noch viel zu früh, wir haben doch noch gar nicht zu Abend gegessen.“
„Ich hab keinen Hunger“, nuschelte Max und ging ins Badezimmer. Der Schlafanzug lag zusammengeknüllt vor der Badewanne. Lustlos griff Max nach der Zahnbürste und drückte Zahnpasta aus der Tube. Aus dem Spiegel starrte ihm sein motziges Gesicht entgegen. Aus dem Spiegel starrte ihm sein motziges Gesicht entgegen. Max starrte zurück, bis es leise an der Badezimmertür klopfte.
„Max? Darf ich reinkommen?“ Das war Papa.
„Ja“, nuschelte Max durch den Pastaschwamm in seinem Mund. Papa betrat das Bad und setzte sich auf den Badewannenrand. Max betrachtete weiter sein Spiegelbild, er hatte keine Lust mit Papa zu reden.
„Bist du so traurig, weil du dich nächste Woche von Finn verabschieden musst?“ Papa traf immer ins Schwarze. Max antwortete nicht und spuckte einen Schwall Zahnpasta ins Waschbecken.
„Schau mal, nur weil Finn in eine andere Stadt zieht, verschwindet er doch nicht aus der Welt. Ihr könnt euch gegenseitig besuchen.“
„Aber er ist dann nicht mehr bei mir im Kindergarten. Und in die Schule gehen wir auch nicht zusammen. Ich will auch nicht alleine zum Turnen gehen. Ohne Finn ist alles blöd.“ Max spülte den Mund aus und wusch sich das Gesicht so gründlich, als könne er die Tränen wegspülen.
„Ach, mein Großer“, Papa zog ihn am Ärmel zu sich und nahm ihn in den Arm. „Heute kann dich wohl gar nichts trösten, was?“
Max schüttelte den Kopf und konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Er schluchzte und weinte, bis Papas Ärmel ganz nass von den Tränen war.
„Was hältst du davon, wenn es heute ausnahmsweise eine Tasse Kakao zum Abendbrot gibt? Und wir spielen noch eine Runde UNO vor dem Essen.“
„Ich will nicht spielen“, schniefte Max.
„Und den Kakao, magst du den?“
Max nickte. „Aber ich hab doch schon Zähne geputzt.“
„Dann musst du sie danach noch mal putzen“, seufzte Papa und nahm ihn kurzerhand huckepack. Für einen klitzekleinen Moment vergaß Max, wie traurig er war. Er genoss es, die Treppe hinunter getragen zu werden, obwohl er eigentlich schon viel zu groß dafür war.

Am Abend lag Max im Bett und starrte grübelnd an die Decke. Das Hörspiel, das er sich heute anstatt des Vorlesens gewünscht hatte, hörte er gar nicht richtig. Er kannte die Geschichte ohnehin. Max Gedanken waren bei Finn. Er konnte sich nicht vorstellen, wie es sein würde, morgens in den Kindergarten zu gehen, und Finn wäre nicht dort.
In der Hand drehte er einen kleinen honigfarbenen Kiesel. Den holte er immer hervor, wenn er sich allein fühlte. Und wann sollte man sich schon einsamer fühlen, als wenn der beste Freund wegzog. Kaum hatte er den Gedanken zu Ende gedacht, da hörte er ein leises Kratzen.
Erschrocken zog Max die Decke über den Kopf. Was war das?
Jetzt hatte es aufgehört und der Raum war nur von dem leisen Gedudel des Hörspiels erfüllt. Max wollte schon aufatmen, da hörte er das Kratzen erneut, gefolgt von einem dumpfen Klopfen.
Das kam vom Fenster und plötzlich kam ihm das Geräusch bekannt vor. Sollte etwa …
Er riss sich die Decke vom Kopf und sah nach.
„Hugo!“, entfuhr es ihm aufgeregt. Erschrocken hielt er sich die Hand vor den Mund und sprang aus dem Bett. Er rannte ans Fenster, um seinen Freund einzulassen.
„Hugo, was machst du denn hier?“, fragte Max aufgeregt, als der kleine Drache auf den Teppich flatterte.
„Ich wollte dich besuchen, kleiner Mensch Max. Mir war, als bräuchtest du dringend einen Freund, der dich tröstet.“
Max klappte die Kinnlade nach unten. Wie konnte der Drache das wissen? Irritiert betrachtete er den goldgelben Stein, den er immer noch in der Hand hielt. Hugo, der Max genau beobachtet hatte, nickte bestätigend.
„Ich habe dir doch gesagt, dass der Stein etwas ganz Besonderes ist.“
„Toll!“, entfuhr es Max.
Er hatte gewusst, dass er bei Hugos letztem Besuch einen Schatz von dem kleinen Drachen bekommen hatte. Aber dass dieser den Drachenfreund sogar herbeirufen konnte, war ein weiteres Wunder.
„Aber nun sag schon Hugo, wie geht es dir? Ärgern dich die anderen Drachen immer noch mit den Käfern und Spinnen?“
Hugo winkte ab. Ein bisschen großspurig, fand Max. „Ach nein, das haben sie aufgegeben. Ich bin jetzt so eine Art Held für sie. Weil ich mit Menschen spreche.“
„Heißt das, du hast noch andere Kinder besucht, seit du das letzte Mal hier warst?“ Es versetzte Max einen kleinen Stich, dass er vielleicht nicht mehr der einzige Junge mit einem Drachenfreund war.
„Besucht habe ich sie nicht direkt“, erklärte Hugo verlegen. „Aber vor einigen Wochen hat sich ein Wanderer zu uns in die Berge verirrt. Alle waren ganz aufgeregt, sogar die Altdrachen. Niemand wusste so recht, was wir tun sollten. Da bin ich zu ihm hingeflogen und habe mit ihm gesprochen. Zuerst hat er sich fürchterlich erschrocken. Und als ich zu sprechen begann ist er beinahe gestürzt, aber am Ende war er sehr dankbar, dass ich ihm einen sicheren Weg nach unten zeigen konnte.“
Max atmete innerlich auf. Hugo war ein ziemlicher Angeber. Es hatte so geklungen, als habe er in den letzten Wochen ein Wohnhaus nach dem anderen besucht.
Der Drache legte den Kopf schief. „Nun aber genug von mir. Warum bist du so unglücklich, Max?“
Max und Hugo setzten sich aufs Bett und Max erzählte dem Drachen alles. Von der schlechten Nachricht, die Finn ihm überbracht hatte. Von der Angst vor dem Alleinsein, die ihn wieder quälte. Und auch von der Wut und dem Gefühl, von seinem besten Freund im Stich gelassen zu werden.
Hugo saß ganz still und hörte zu. Sein Schwanz lag säuberlich um den kleinen Drachen herumdrapiert und sah in der Dunkelheit des Abends ganz dunkel aus. Max wusste, dass die Schuppen des Kurzhalsdrachen die Farbe von frischen Kastanien und roten Herbstblättern hatten. Als Max endete, legte Hugo die schuppige Drachenschnauze auf Max´ Bein ab. Er sah mit goldenen Augen zu ihm auf. Die Echsenaugen leuchteten ein wenig, doch wirkte es auf Max nicht bedrohlich, sondern tröstlich.
„Ach Max“, sagte Hugo und klang dabei fast schon wie Mama und Papa. „Es ist doch ganz normal, dass du traurig und wütend bist. Aber willst du die letzten Tage, in denen Finn noch hier ist, damit verbringen, wie ein grauer Trauerkloß herum zu schlurfen?“
„Nein, eigentlich nicht. Aber immer wenn ich Finn sehe oder an ihn denke, fällt mir ein, dass er bald weg ist und dann bin ich wieder traurig.“
„Dann freu dich doch lieber, dass du ihn noch siehst.“
„Aber bald sehe ich ihn nicht mehr. Wir wollten doch zusammen in eine Klasse gehen und nach der Schule beim Bäcker Schlickertüten kaufen und in den Pausen sollte ich Finns Wurstbrote essen und er dafür meine Apfelstücke.“
Hugo sah den Jungen nachdenklich an. „Max, das wird nicht gehen, das weißt du. Aber seid ihr wirklich so gute Freunde, du und Finn?“
„Beste Freunde“, korrigierte Max.
„Na also, dann ist das zwar traurig, aber letzten Endes gar nicht so wichtig.“
Max wollte auffahren und Hugo ausschimpfen. Doch der Drache nahm den Kopf von Max´ Bein und hob eine Kralle, um Max zu zeigen, dass er ihm weiter zuhören solle.
„Richtig gute Freunde müssen sich gar nicht jeden Tag sehen. Eine echte Freundschaft ist doch, wenn man sich nach langer Zeit wiedersieht und alles ist so wie immer. Ich habe dich seit elf Wochen nicht gesehen. Trotzdem kommt es mir vor, als wäre ich erst gestern in deinem Baumhaus gelandet. Und du und Finn, ihr kennt euch doch noch viel länger und viel besser.“
Max dachte nach. Es war ihm auch so vorgekommen, als sei Hugo niemals weg gewesen. Er freute sich, dass der Drache zu ihm gekommen war, noch mehr freute er sich, dass er mit ihm über seine Sorgen reden konnte. Hugo verstand ihn einfach.
„Aber es wird dann alles so anders“, maulte Max erneut.
Hugo nickte langsam. „Ja, aber das wird es doch ohnehin. Wenn du in die Schule gehst, wird alles anders. Ich verstehe, dass es mit dem besten Freund einfacher ist, aber ganz alleine kommst du ja wohl nicht in die Schule.“
„Nein“, gestand Max. „Femke und Paul gehen auch. Und ein paar von den anderen, aber mit denen spiele ich nicht so oft.“ Es viel ihm schwer, sich mit der neuen Situation abzufinden. Aber er musste sich eingestehen, dass doch nicht alles so düster war, wie er angenommen hatte.
„Finn kommt dich ganz sicher besuchen. Stell dir vor, wie das für ihn ist. Er muss fort in eine andere Stadt, wo er niemanden kennt und sein bester Freund verabschiedet ihn mit einem langen Gesicht.“
Max fühlte sich ertappt. Hugo hatte recht. Für Finn war der Umzug viel schlimmer. Er musste in einen anderen Kindergarten und dann direkt in die Schule, mit den neuen Kindern. Plötzlich kam Max ein schlimmer Gedanke. „Was ist, wenn er dort einen neuen besten Freund findet?“, fragte er entsetzt.
Hugo sah ihn ernst an. „Max, ihr werdet beide andere Freunde finden, aber das heißt doch nicht, dass ihr einander deswegen vergesst.“ Hugo stupste gegen Max Faust, in der er den Drachenfeuerstein fest umschlossen hielt. „Es reicht doch, wenn man sich oft genug an den anderen erinnert. Und ich wette, ihr beiden habt noch viel schönere Erinnerungen als einen Kieselstein voll Drachenatem.“
„Der Stein ist etwas Besonderes“, sagte Max.
Er war sich nicht sicher, ob er die Erinnerungen, die er mit Finn teilte, mit dem Drachenfeuerstein vergleichen konnte. Sie waren etwas anderes, aber sie waren genauso wertvoll.
Max fühlte sich besser. Er war immer noch traurig. Aber Hugo hatte es irgendwie geschafft, dass alles nicht mehr ganz so grau und trüb aussah.
Sie redeten noch eine ganze Weile über Freundschaft und Vermissen, bis Max seine Eltern unten im Flur hörte. Das Licht wurde angeknipst und ein feiner Lichtstreifen schien unter der Tür hindurch in das Zimmer.
„Schnell Hugo! Du musst dich wieder unter dem Bett verstecken“, flüsterte Max und legte sich blitzschnell unter die Bettdecke. Schritte erklangen auf der Treppe. Gleich würde Mama oder Papa in das Zimmer kommen, den CD-Player ausschalten und nach ihm sehen. Max spürte einen leichten Druck unter der Matratze. Hugo musste in den letzten Wochen gewachsen sein. Max hoffte inständig, dass es keinen weiteren Brandfleck auf dem Teppich geben würde.
Die Tür ging auf und mehr Licht fiel aus dem Flur ins Zimmer. Max lag ganz still und kniff die Augen zu. An den Schritten hörte er, dass es Mama war. Sie konnte nicht richtig schleichen, immer wenn sie einen Fuß aufsetzte, machte es leise „bumm“. Jetzt zog sie den Stecker vom CD-Player und trat an Max Bett heran. Bumm. Bumm. Bumm.
Mama zog die Bettdecke zurecht und ließ die Hand kurz auf seiner Schulter liegen. Dann lachte sie leise. „Max, du bist ja noch wach“, flüsterte sie.
„Eigentlich habe ich schon geschlafen“, gab Max zurück.
Mama schien überhaupt nicht böse zu sein. Vorsichtig drehte er sich auf den Rücken, um ihr ins Gesicht zu sehen. Und tatsächlich, Mama lächelte. „Bedrückt dich die Sache mit Finn so sehr, dass du nicht schlafen kannst?“
Max nickte, das war nicht ganz gelogen. Schließlich hatte er mit Hugo auch über Finn gesprochen.
„Was hältst du davon, wenn wir Finn für die Tage nach Weihnachten einladen?“
Jetzt war Max ganz aufgeregt. „Darf er hier übernachten?“
„Das wird er wohl müssen, wir können ihn dann nicht mal eben nach Hause fahren.“ Mama strich ihm durchs Haar. „Meinst du, du kannst jetzt ein bisschen besser einschlafen?“
Max nickte. Mama gab ihm noch einen Gute-Nacht-Kuss und schloss die Tür hinter sich.
Hugo quetschte sich unter dem Bett hervor. Er musste sich mit den Vorderkrallen im Teppich festhalten, damit er überhaupt herauskam.
„Das nächste Mal brauche ich ein anderes Versteck. Ich passe nicht mehr unter dein Bett“, schnaufte Hugo, als er es zurück aufs Bett geschafft hatte.
Max kicherte. „Vielleicht gehst du dann in meinen Schrank, da ist es zwar ein bisschen unordentlich, aber da ist mehr Platz.“
Hugo kicherte auch, wurde jedoch gleich wieder ernst. „Kleiner Mensch Max, ich muss mich leider wieder auf den Weg machen. Aber wie ich gehört habe, hat sich ein Teil deines Problems schon gelöst.“
„Mama hat manchmal ein bisschen gute Ideen.“ Max begleitete seinen geflügelten Freund zum Fenster und öffnete es für ihn. Dann kniete er sich hin und schlang die Arme um den kleinen Drachen. „Hugo, ich hab dich sehr lieb.“
Hugo´s Pranken waren zu kurz, um den Jungen zu umarmen. Er stupste ihm stattdessen mit der Schnauze sanft in den Bauch. „Ich habe dich auch lieb, kleiner Mensch Max“, sagte Hugo. Dann drehte er sich um, stieß sich mit einem Sprung ab und flog hinaus in die kalte Nacht.

„Es schneit!“, rief Max.
Aufgeregt sprang er vom Frühstückstisch auf und stieß dabei beinahe seine Kakaotasse um. Er rannte zum Wohnzimmerfenster, drückte die Nase gegen das Fensterglas und sah zu, wie Flocke für Flocke auf den Rasen fiel.
„Dann wollen wir hoffen, dass es den ganzen Tag noch weiter schneit“, bemerkte Papa und nahm einen Schluck Kaffee.
„Warum?“, fragte Max.
Er hatte gar nicht richtig zugehört. Vielleicht musste er jetzt nicht mehr den ganzen Tag daran denken, dass es sein erstes Weihnachten ohne Finn war.
„Na, weil wir dann unse …“, Papa brach mitten im Satz ab.
Max drehte sich um. Es sah aus, als würde Papa nach irgendetwas suchen, das unter den Tisch gefallen war. Oder sich am Fuß kratzen.
„Dann hätten wir morgen richtig schöne weiße Weihnachten“, ergänzte Mama und lächelte ganz komisch. Was hatten die beiden denn? Es war toll, dass es einen Tag vor Weihnachten zu schneien begonnen hatte. Aber sonst war Max derjenige, der deswegen aus dem Häuschen war.
„Darf ich nach dem Frühstück in den Garten?“, fragte er und setzte sich wieder zu Mama und Papa an den Tisch.
„Ach, sehen wir erst mal, was nach dem Frühstück passiert.“
Jetzt grinste Papa auch noch so komisch.
„Warum lacht ihr beide denn so?“
Mama und Papa sahen sich an, sagten jedoch nichts. Max wollte erneut nachfragen, als es an der Haustür klingelte. „Vielleicht solltest du einfach mal die Tür aufmachen“, sagte Mama und deutete hinüber zum Hausflur. Max war so überrascht, dass er vergaß zu fragen, warum.
Als er in den Flur trat, konnte er durch den Glasstreifen in der Haustür niemanden sehen. Wer hatte geklingelt? Und warum wollten Mama und Papa, dass er die Tür öffnete? Er zögerte. Es machte ihm ein bisschen Angst, dass er nicht wusste, wer da an der Tür war. Vorsichtig schlich er ganz nah an die Tür heran und spähte durch das Glas. Es war immer noch niemand zu erkennen. Vielleicht spielte nur jemand einen Klingelstreich.
Max schloss die Augen und dachte an Hugo und den Drachenfeuerstein. „Ich bin nicht allein“, sagte er sich und griff nach der Türklinke.
„Maaaahax!“, Finn sprang hinter dem Blumenkübel neben dem Eingang hervor. Max umarmte seinen Freund und wusste gar nicht, was er sagen sollte. Gerd und Ralf kamen ebenfalls hinter der Hausecke hervor. Ralf winkte mit einem Kasten, in dem der Gewürzkuchen sein musste.
„Aber warum seid ihr denn hier? Ich dachte, du kommst erst nach Weihnachten“, wunderte sich Max.
„Wir haben uns gedacht, dass wir Heiligabend auch bei meiner Mutter feiern können“, sagte Ralf.
„Weihnachten ohne unseren Spaziergang ist doch nicht komplett. Und Theresa und Nina haben sich auch gefreut, ihre Freunde heute noch besuchen zu können“, ergänzte Gerd.
„Da habt ihr uns aber gerade noch mal gerettet“, sagte Mama, die jetzt auch an die Haustür kam. „Stefan hätte sich fast verquatscht.“ Die Erwachsenen gingen in die Küche und tranken Kaffee. Max und Finn verkrümelten sich nach oben und spielten noch, bis sie zum Spaziergang aufbrachen. Es schneite noch den ganzen Tag und die Nacht hindurch weiter. Als Max am nächsten Morgen zu seinem Fenster ging und in den schneebedeckten Garten hinabsah, fühlte es sich endlich wie Weihnachten an.

 


 

Eine herzerwärmende Geschichte und ich freue mich, dass Wiebke uns hier so etwas Tolles vorbereitet hat. Ich hoffe, euch hat es auch gefallen!

Hier könnt ihr euch das Buch „Drachenangst und Menschenmut“ noch einmal genauer ansehen (Es hat ein wahnsinnig schönes Cover, wie ich finde).

Und hier kommt ihr zur Übersicht der anderen Türchen von unserem Adventskalender.

Ich wünsche euch noch eine schöne Zeit am vierten Advent und nicht allzu viel Stress. Man liest sich!

Eure Jessy

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2 Kommentare zu „#SPbuch-Kalender Tag 23 – Wiebke Tillenburg“

  1. Schlickertüten <3 hach, was für eine schöne kleine bisschen traurige Geschichte.
    Hallo Jessy (ich glaub ich hab dich irgendwo mal mit Jen angesprochen *urgs)
    wirklich Wahnsinn, das mit der Zeit. Morgen ist schon der 24. und alles vorbei. Mir hat es großen Spaß gemacht, das vorbereiten und die Spannung auf Eure Beiträge. Danke für Deinen schönen hier. Hab wundervolle Weihnachten und komm gut in das neue Jahr.
    Liebe Grüße
    Kerstin

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