Die Familie in Dunkelheit | Das Halloween-Special

Hier ist es nun endlich – mein kleines, aber hoffentlich feines (und gruseliges) Halloween-Special. Ihr habt euch bestimmt schon gewundert, was die ganzen passwortgeschützten Beiträge sollen. Tja, jetzt findet ihr es heraus-
Und vielleicht findet ihr ja auch aus dieser kleinen Horrorgeschichte heraus. Hoffentlich lebendig. Viel Spaß!

 

Du musstest nicht sehen, um an der Welt um dich herum teilzuhaben; häufige Wege, wie deinen Schulweg oder die Räume bei dir zuhause kennst du in- und auswendig, und den Rest über begleitete dich Sanso, dein Blindenhund.
Von Geburt an blind stört dich die Dunkelheit nicht weiter, in Wahrheit fällt sie dir sogar gar nicht auf. Die Geräusche erzählen meist ihre eigene Geschichte und durch Fühlen erfährst du den Rest. Dunkelheit ist dein Alltag.
Aber ab und zu… ab und zu siehst du.

Das erste Mal passierte es im Krankenhaus. Deine Familie hat deine Großmutter besucht. Als du das Zimmer betratst, erschrakst du fürchterlich: In deiner sonst gewohnten, völligen Dunkelheit, lag deine Großmutter. Du konntest sie sehen, ihre zierliche Gestalt, ihre Hände und ihre Augen. Farbige Augen! Schon immer hast du dich gewundert, was Farben eigentlich waren.
Du konntest sie wortwörtlich nicht aus den Augen lassen, denn du hast alles aufgesogen – welches Geräusch gehört zu welcher Bewegung? Wie sieht blinzeln aus?
Als du deiner Mutter später zuhause davon erzählen wolltest, glaubte sie dir nicht. Und die Dunkelheit kam dir zum ersten Mal wie ein Gefängnis vor.
Deine Großmutter starb noch in derselben Nacht.

 

Damals warst du noch jünger und konntest die Zusammenhänge nicht ahnen. Heute ist dir das bewusster; immer wieder kannst du Menschen jeden Alters beobachten, und du ahnst, was mit ihnen passieren wird. Die Gestalten verfolgen dich bis in deine Träume. Sie sind das Einzige, das du jemals sehen wirst.
Nichts hat dich allerdings je auf den Schock vorbereitet, deine eigene Hand zu sehen. Dabei sitzt du nur in deinem Zimmer, allein zuhause, und hörst deine Musik. Was zur Hölle? Wieso so plötzlich? Erschrocken keuchst du. Sanso stupst dich mit seiner Nase an, und plötzlich kannst du ihn auch sehen.

Nackte Angst packt dich. Du drehst deine Hände vor deinen Augen und fragst dich, wie der Rest von dir wohl aussehen mag. Leider ist das jetzt aber gerade nicht wichtig.
Warum bist du plötzlich sichtbar? Warum nicht schon den ganzen Tag? Eigentlich bist du immer davon ausgegangen, dass dein Leben vorherbestimmt ist – Schicksal, sozusagen. Aber falls es so wäre und falls du wirklich – du kannst nicht anders, als zu schlucken, – falls du wirklich heute Nacht sterben müsstest, hättest du schon eher sichtbar sein müssen.
Deine Arme leuchten regelrecht in der Dunkelheit. Ist das deine normale Hautfarbe? Du bist dir nicht sicher, aber du glaubst, dass du noch ein bisschen durchsichtig bist. Vielleicht steht noch nichts fest. Vielleicht kannst du dein Ende verhindern.

Du hast den Drang, deine Eltern anzurufen, aber was sollst du ihnen denn erzählen? Du schüttelst den Kopf und siehst ein paar deiner Haarsträhnen. Huh, so sehen die also aus.
Dein Herz klopft laut und schnell in deiner Brust. Du versuchst dich zu beruhigen – noch hast du eine Chance.
Bald kommen deine Eltern nach Hause und deine Mutter bringt deine kleine Schwester von ihrem Training mit. Bis dahin hast du noch Zeit, aber heute Abend wirst du auf keinen Fall alleine sein. Vielleicht ist es ja etwas im Haus?

Du überlegst, was du jetzt machen kannst. Entweder du wartest hier, bis deine Eltern nach Hause kommen oder du schaust dich schon einmal im Haus um.

Einerseits bist du hier bestimmt erstmal sicher. Andererseits kannst du dich vielleicht etwas beruhigen, wenn du das Haus abgesucht hast. Aber hast du dazu den nötigen Mut?

 

Wenn du dich aus deinem Zimmer traust, lies hier weiter. Das Passwort ist Haus.

Wenn du lieber sicher in deinem Zimmer bleiben willst, lies hier weiter. Das Passwort ist Zimmer.

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